Marktdaten-Infrastruktur bei Austrian Power Grid: Strategische Weichenstellung für die Marktdaten-Infrastruktur
Eine veraltete Plattform. Abteilungen in Silos. Excel-Listen als kritische Datenquellen. Im Auftrag von Austrian Power Grid (APG) wurde ein strukturiertes Vorprojekt durchgeführt, das weit mehr leistete als eine technische Bestandsaufnahme: Versteckte Ineffizienzen wurden aufgedeckt, Architektur-Klarheit hergestellt und ein belastbares Fundament für eine europaweite Ausschreibung geschaffen. Das Ergebnis: Ein bereinigter Scope, klare Anforderungen und ein strategisches Framework, das zukünftige IT-Projekte im gesamten Unternehmen beschleunigt.
Projektübersicht
Ausgangslage & Herausforderungen
Ausgangslage
Austrian Power Grid ist als österreichischer Übertragungsnetzbetreiber regulatorisch verpflichtet, Marktdaten transparent und zeitnah zu veröffentlichen. Die bestehende Plattform war technisch veraltet und über Jahre mit abteilungsspezifischen Funktionen überladen worden – ohne den zentralen Business Use Case im Fokus zu behalten. APG stand vor der Entscheidung zur Systemablösung und benötigte eine solide Grundlage für eine europaweite Ausschreibung.
Das Problem
Die Analyse legte signifikante strukturelle Defizite offen: Viele Quellsysteme waren nicht digitalisiert, Abteilungen pflegten redundante Stammdaten in isolierten Excel-Listen. Daten wurden manuell per Copy-and-Paste zwischen Systemen übertragen – fehleranfällig und ineffizient. Das Bestandssystem war mit Funktionen überfrachtet, die zwar lokale Probleme lösten, aber den eigentlichen Kern der Veröffentlichungsplattform verwässerten. Eine übergreifende Architektur-Governance fehlte vollständig.
Zielsetzung
Ablösung des Altsystems durch eine zukunftsfähige Lösung. Erstellung einer detaillierten, belastbaren Anforderungsbasis für die europaweite Ausschreibung. Etablierung nachhaltiger Standards im Anforderungsmanagement und im Bereich UI/UX – als Grundlage für künftige IT-Projekte im gesamten Konzern.
Unsere Lösung & Methodik
Business Analysis & Prozessdesign
In strukturierten Workshops wurde gemeinsam mit den Stakeholdern die Ist-Situation erhoben und Soll-Prozesse definiert. Business Use Cases und detaillierte Prozessmodelle visualisierten die komplexen Datenflüsse und schufen ein gemeinsames Verständnis quer durch alle betroffenen Abteilungen. Die gesamte Systemdokumentation wurde in Confluence aufgebaut, die Aufgabensteuerung in Jira verankert.
Identifikation von Schatten-IT & Silostrukturen
Ein zentraler Befund der Analyse war das Ausmaß an „Schatten-IT": Excel-Listen als kritische Datenquellen, manuelle Medienbrüche und redundante Datenpflege in isolierten Abteilungen. Diese Strukturen wurden vollständig dokumentiert und bewertet – als Grundlage für die Digitalisierungs-Roadmap und die Definition eines klaren, bereinigten Scopes für das Nachfolgesystem.
Strategisches Consulting: UI/UX Guidelines & Requirements Framework
Parallel zur technischen Analyse wurden unternehmensweite UI/UX-Standards entwickelt, die eine intuitive Benutzeroberfläche sicherstellen und die Akzeptanz bei Endnutzern erhöhen. Ein strukturiertes Requirements Framework wurde eingeführt – ein methodisches Fundament, das über dieses Projekt hinaus Bestand hat und zukünftige IT-Vorhaben im Konzern beschleunigt.
Change Management: Auflösung von Silos
Die Entscheidungsträger wurden aktiv bei der Überführung von Excel-Prozessen in digitale Workflows begleitet. Silodenken zwischen Abteilungen wurde adressiert und durch gemeinsame Datenverantwortung ersetzt. Der Wandel hin zu strukturierten, transparenten Prozessen wurde nicht verordnet, sondern partizipativ erarbeitet.
Managementberatung: Synergiepotenziale & Ausblick
Im Rahmen der übergreifenden Managementberatung wurden abteilungsübergreifende Synergien identifiziert und potenzielle Folgeprojekte im Konzern aufgezeigt. Die erarbeitete Architektur-Vision bildet die Grundlage für eine realistische Einschätzung des Auftragsvolumens – und für strategisch fundierte Entscheidungen im Ausschreibungsprozess.
Ergebnis & Mehrwert
Bereinigter Scope
Konsequenter Fokus auf den Kern-Business-Case verhindert teure Fehlentwicklungen. „Feature Creep" durch abteilungsspezifische Sonderlösungen wird strukturell ausgeschlossen.
Digitalisierungs-Roadmap
Die Aufdeckung von Digitalisierungslücken – Weg von Excel, hin zu automatisierten Datenketten – schafft eine belastbare Grundlage für die schrittweise Modernisierung der Dateninfrastruktur.
Unternehmensweite Standards
Neue UI/UX-Guidelines und das Requirements Management Framework setzen Qualitätsstandards, die über dieses Projekt hinauswirken und zukünftige IT-Projekte im gesamten Konzern beschleunigen.
Belastbare Entscheidungsgrundlage
Das Management verfügt über eine klare Architektur-Vision und eine realistische Einschätzung des Auftragsvolumens – als solide Basis für die europaweite Ausschreibung.
Gesamtergebnis
Das Vorprojekt transformierte eine fragmentierte, kaum dokumentierte Systemlandschaft in ein strukturiertes strategisches Fundament. APG verfügt nun über vollständige Transparenz über Ist-Prozesse, Medienbrüche und Architekturschwächen – und ist damit bestens vorbereitet, die europaweite Ausschreibung auf faktenbasierter, risikoarmer Grundlage zu führen. Die erarbeiteten Standards für Anforderungsmanagement und UI/UX bilden darüber hinaus einen nachhaltigen Mehrwert für kommende Digitalisierungsprojekte im Unternehmen.