Die Geschichte von Nigel

Nigel ist ein Mensch wie Sie und ich. Er war gerade mit irgendwelchen anderen Dingen beschäftigt, als ihn das Leben ablenkte. Genauer gesagt, der Sinn des Lebens, den davon handelt die Geschichte von Nigel. Sie geht folgendermaßen:

Am ersten Tag erschuf Gott die Kuh.

Gott sprach zu ihr: „Lass dich vom Bauer auf die Weide führen, harre dort den ganzen Tag in der prallen Sonne aus. Gebäre Kälber und gebe Milch, um den Bauer zu ernähren. Ich schenke dir eine Lebenszeit von 60 Jahren.“

Die Kuh entgegnet: „60 Jahre lang ein solches Leben zu führen, ist ganz schön hart! Lass mich lieber nur 20 Jahre leben, die restlichen 40 kannst du zurück haben.“

Damit war Gott einverstanden.

Am zweiten Tag erschuf Gott den Affen.

Gott sprach zu ihm: „Erfreue die Menschen, führe Kunststückchen vor und bringe sie zum Lachen. Ich schenke dir eine Lebenszeit von zwanzig Jahren.“

Der Affe entgegnet: „Ich soll mich zwanzig Jahre zum Affen machen und Kunststückchen vorführen? Wie langweilig! Nein danke, kein Interesse! Die Kuh hat dir vierzig Jahre zurück gegeben, und ich gebe dir zehn Jahre zurück, einverstanden?“

Wieder war Gott einverstanden.

Am dritten Tag erschuf Gott den Hund.

Gott sprach zu ihm: „Setze dich den ganzen Tag vor das Haus und kläffe jeden an, der vorbei läuft oder hereinkommen will. Ich schenke dir eine Lebenszeit von zwanzig Jahren.“

Der Hund entgegnet: „Ich kann unmöglich zwanzig Jahre lang kläffen. Lass mich zehn Jahre leben, die anderen zehn kannst du zurück haben.“

Auch damit war Gott einverstanden.

Am vierten Tag erschuf Gott den Menschen.

Gott sprach zu ihm: „Iss, schlafe, spiele, habe Sex und Freude, tue nichts, ausser dein Leben zu genießen. Dafür schenke ich dir zwanzig Jahre.“

Der Mensch entgegnet: „Was? Nur zwanzig Jahre? Wieso das denn? Pass auf, das machen wir anders. Du schenkst mir meine zwanzig und legst die vierzig von der Kuh, die zehn vom Affen und die zehn noch vom Hund oben drauf und gewährst mir achtzig Lebensjahre. In Ordnung?

Und Gott sagte: „Okay, abgemacht!“

Und deswegen macht der Mensch die ersten zwanzig Jahre seines Lebens nichts, ausser essen, schlafen, spielen, Sex und Freude zu haben, schuftet die nächsten vierzig Jahre des Lebens in der prallen Sonne, um die Familie zu ernähren, macht sich danach zehn Jahre lang zum Affen, um seine Enkelkinder zum Lachen zu bringen, und verbringt die letzten zehn Jahre seines Lebens damit, vor dem Haus zu sitzen und jeden anzukläffen.

Trotz seines seltsamen Humors ist Nigel ein anständiger Mensch, und dankbar für das, was er hat. Er weiß aber auch, dass vieles nicht gerade optimal läuft, und eine leise Stimme in seinem Hinterkopf flüstert ihm immer wieder ein, wie gut es für ihn und sein Umfeld wäre, wenn er Dinge anders anpacken würde. Was könnte er tun?